Austin

Rollerporträt

Vespa Primavera 1975

ORANGE IS THE NEW BLACK

Wie alle Fahrzeuge auf VE8PA.CH, ist auch diese wunderbar erhaltene Vespa Primavera in einem selten schönen Erstlack und wurde nicht aufpoliert oder veredelt, sondern ausschliesslich vom Schmutz befreit.

Bei solchen Fahrzeugen ist es vor allem deren Geschichte, die einen interessiert und Aufschluss über die Umstände gibt, wie es zu dem Dornröschenschlaf kam, welche die Vespa vor der Abnutzung bewahrt hat, die 4 Jahrzehnte in der Regel mit sich bringen. In diesem Fall kam der Zweitbesitzer zu der orangenen Kleinen wie die Jungfrau zum Kind. Da ein Bekannter Schulden bei ihm hatte, welche er nicht begleichen konnte, hat er ihm kurzerhand die Vespa hingestellt und um Schulderlass gebeten. Obwohl sich der Gläubiger in keiner Art und Weise für Vespas begeistern konnte, hat er den Deal zähneknirschend  akzeptiert. Wie mir sein Sohn erzählte, nahm er lieber den „italienischen Roller“ an, als sein Geld komplett abzuschreiben.
Seit diesem Tag wurde die Vespa keinen Meter mehr bewegt und stand wohlbehütet in der Garage der Familie. Als der Vater verstarb, tat dem Sohn die Primavera leid und er nahm sich vor, sie wieder fit zu machen und sie zu fahren. Gesagt getan. Nach einer technischen Generalüberholung kam sie 2011 wieder auf die Strasse. „Doch auch wenn mir Vespas wahnsinnig gut gefallen, was das Design angeht, waren es ein paar wenige Ausfahrten zu denen ich mich ermutigen konnte“, sagte mir der Erbe. „Da ich die Wahl hatte, war es praktisch immer der Fiat 500 mit dem ich am Wochenende die Garage verliess“.
Und so kam es, dass unser Kleiner Survivor den weg in die Schweiz fand.

Primavera 125’er gab es nur ganz wenige in Orange. Denn diese waren ausschliesslich dem Fransösichen und Schweizer Markt vorbehalten. Das heisst, die Fabrikation fand zu 100% in Italien Pontedera statt, wobei Sie danach für den Verkauf in eines der beiden Länder exportiert wurden. In Italien selbst findet man diese Ausführung nicht, da es die Primavera (Typ VMA2T) für den eigenen Markt ausschliesslich in folgenden Farben gab: Weiss, Braunmetallic, Hellblaumetallic, Hellblau, Graumetallic (mehr dazu ganz am Schluss).
An dieser Stelle möchte ich mich bei Christoph Kramer von „Kingwelle.de“ bedanken, welcher mich auf diesen Fakt hingewiesen hat.

Ein wenig Cellulite kann man nach 41 Jahren in Kauf nehmen wie ich finde. Oder anders ausgedrückt, sollen ja auch die Freunde der Patina nicht zu kurz kommen – zwinker zwinker.

Nahezu makellos präsentiert sich wiederum das Bodenblech, sowie dessen originales Sortiment an Gummiteilen, wie Matte, Trittleisten und am Pedal.

Beim Thema Tacho und ob die Kilometerangabe der Realität und der Fahrstrecke der lezten 41 Jahren entsprechen, kann ich mich nur wiederholen. Wenn der Tacho die gleiche Sprache spricht wie der Lack und die Substanz der Vespa, kann man davon ausgehen, dass es sich um die tatsächliche Laufleistung handelt. Vor allem wenn er nach wie vor intakt ist und einwandfrei funktioniert.Die Chassis-Nummer zeigt, dass die Vespa 1974 in Pontedera ab dem Band lief. Wie sich weiter unten anhand des Fahrzeugbeweises belegen lässt, war die 1. Inverkehrssetzung am 12.12.1975

Pflichtprogramm bei jeder schön erhaltenen Vespa im Erstlack ist das vorhandene Werkzeugset mit dem Piaggio geprägten Sackerl.

Wie im richtigen Leben sehen wir auch hier die drei Löcher, welche jede Primavera aufweist. Sie dienen zur Fixierung des Nummerschildes, bzw. der Nummerschildplatte. Schön ist, dass nie ein Gepäckträger montiert wurde und man die Vespa nicht mit zusätzlichen Löchern geschändet hat.

Der Tank ist im Innern absolut rostfrei.

Zwar mit Blitz photographiert, was den Farbton etwas verfältscht hat – doch wie Ihr seht ist die Substanz des Bleches auch im Inneren einwandfrei.

Bei vielen Original-Sitzbänken löst sich der Schaumgummi allmählich in seine Einzelteile auf und endet als Pulver im Vergaser. Diese Sitzbank ist, abgesehen von einem kleinen Riss, super in Schuss, bequem und der Schaumgummi tut was er soll.

Hinten und vorne sind die Original-Felgen montiert. Schweren Herzens mussten die wohl noch ersten Reifen der Funktionalität wegen weichen.

Die zwei drei Katzer auf dem Lenkkopf stammen von der Windschutzscheibe, welche natürlich noch vorhanden ist. Doch wegen Erblindungsgefahr musste diese sofort entfernt werden, als die Gute in der Schweiz ankam.

Original Neiman Schlüssel plus Ersatzschlüssel – passend auch für das abschliessbare Gepäckfach in der linken Backe.

Info

Ve8PA.CH

VE8PA.CH steht für "Ein Stück Geschichte" und befasst sich mit möglichst authentischen und original erhaltene Vespas im Erstlack.